SpitzwegerichSpitzwegerich: In der germanischen Mythologie ist Spitzwegerich der „Wegbeherrscher“. Er ist ein toller Wegbegleiter durch die warme und kalte Jahreszeit!

Spitzwegerich (Plantago lanceolata)– der Heilsbringer

Er zählt zu den erfolgreichsten Heilkräutern und sollte in keiner Kräuterapotheke. Man mit ihm zahlreiche Kräuteranwendungen durchführen, die ich euch heute vorstellen möchte.

Botanik

Die Blätter des Spitzwegerichs sind schmal, spitz und von zähem Aussehen und dabei ist der Blütenstengel blattlos und kantig. Die Blütezeit ist von Mai bis Anfang September.  Gleich nach der Ernte müssen die Blätter an einem trockenen Ort, beispielsweise Dachboden, getrocknet werden.

Der Spitzwegerich wächst unauffällig an Wegrändern und auf Wiesen. Wer ihn kennt, erkennt ihn schon im zeitigen Frühjahr an seinen langen schmalen Blättern, die wie Lanzen aus dem Boden schießen. Der Spitzwegerich bevorzugt trockene Böden und ist häufig auf Wiesen, Wegrändern und brachliegenden Feldern zu finden. Auf Grund seiner hervorragenden Heilwirkung wird er im Volksmund auch als „Heilwegerich“ gerühmt. In der Antike sagte man ihm gar magische Kräfte zu.

Heilwirkung des Spitzwegerichs

Ich selbst schätze ihn vor allem als Heilmittel gegen Husten und als tolle Mittel gegen Insektenstiche. Er wirkt auch gegen Bronchialverschleimungen, stärkt die Lunge, gegen Bronchitis, gegen Magen-Darm Beschwerden, wirkt blutreinigend und hilft Menschen, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Darüber hinaus hat er auch noch eine heilende Wirkung bei Zahnfleischentzündungen und bei Entzündungen im Mund und Rachenraum.

Spitzwegerichtinktur

Man kann ihn als Tee konsumieren, aber auch als Hustensaft, der Kindern besonders gut schmeckt. Eine Übersicht über die unterschiedlichsten Arten von Atemwegserkrankungen könnt ihr meinem Beitrag “Übersicht von Heilkräuter bei Atemwegserkrankungen” entnehmen, sodass ihr wisst, was für eine Art von Husten ihr habt.

Der frischgepresste Pflanzensaft regt den Stoffwechsel an und hilft gegen Magenschmerzen und Darmentzündungen.

Nebenwirkungen: in manchen Fällen kann es zu einer allergischen Reaktion kommen.

Spitzwegerich

Hustensaft

Den Spitzwegerichhustensaft selber zu machen, ist eine günstige Alternative konventionellen Produkten. In der Apotheke bekommen Sie 50 Gramm Spitzwegerich unter € 2,50,-. Noch günstiger wird es, wenn man ihm aus dem eigenen Garten verwendet.

Zutaten

  • 35 Gramm Spitzwegerich getrocknet (man kann natürlich auch frische Blätter verwenden, wenn diese verfügbar sind)
  • 175 ml Bio-Honig
  • 500 ml Wasser
  • Behälter zum Aufbewahren

Spitzwegerich im Wasser aufkochen und 40 Minuten lang ziehen lassen. Abseihen und die verbleibende Flüssigkeit durch einkochen am Herd zirka um die Hälfte reduzieren lassen. Anschließend die Flüssigkeit auf zirka 38 Grad abkühlen lassen und den Honig dazu geben. Gut umrühren und in einen Behälter füllen. Der Hustensaft hält mind. zwei Wochen lange. Am besten im Kühlschrank aufbewahren. Je nach Bedarf bis zu drei Mal täglich verwenden.

Insektenstiche

Bei Insektenstichen hilft es den frischen Spitzwegerich fein zu hacken und mit einem sauberen Baumwolltuch auf die Wunde zu geben.

Wenn man genau zu diesem Zeitpunkt keinen frischen Spitzwegerich zur Hand hat, so könnt ihr auch ein Spitzwegerichöl anfertigen.

Kräuterölauszug nach der kalten Methode

  • Spitzwegerich sammeln. Ihr könnt dafür die Blätter verwenden. Ich persönlich wasche die Kräuter kurz ab. Es gibt Personen, die das nicht tun. Da ich keine Insekten im Öl haben möchte, kommen die Kräuter kurz vor der Verarbeitung unter einen kalten Wasserstrahl. Ihr sollte die Kräuter in der Früh sammeln, da sind in der Regel auch weniger Insekten auf ihnen.
  • Spitzwegerich fein geschnitten in ein Schraubglas geben.
  • Mit Distelöl in einem Verhältnis von 1:10 bei frischem Spitzwegerich und im Verhältnis 1:20 bei getrocknetem Spitzwegerich übergießen. (Z. B. 10 Gramm Heilkraut frisch: 100 ml Öl ) Anschließend das Glas verschließen. Statt Distelöl könnt ihr auch ein anderes hochwertiges Pflanzenöl verwenden, beispielsweise Oliven-, Mandel- oder Jojobaöl.
  • Bei Zimmertemperatur, ohne direkte Sonneneinstrahlung für drei bis sechs Wochen ziehen lassen.
  • Das Glas alle zwei Tage schütteln, damit sich die Wirkstoffe besser lösen.
  • Nach Ablauf der Zeit durch einen Teefilter abseihen.
  • Fertiges Öl in dunkle Glasflaschen abfüllen.

Dieses Öl kann man dann in einer Tasche mithaben und immer wenn man einen Insektenstich hat, gebt ihr einfach ein paar Tropfen davon auf die Wunde.

Spitzwegerich kann man auch sehr gut in der Küche verarbeiten. So könnt ihr ihn in den Salat mischen oder eine Suppe aus ihm machen. In diesem Video stelle ich euch zwei tolle Rezepte gegen Insektenstiche vor: eine einfache Spitzwegerichsalbe aus Kokosfett und ein Spitzwegerichöl (warme Methode)

Spitzwegerich-Tee

Zutaten: 1 TL getrocknete Spitzwegerichblätter, 1 Tasse Wasser, Honig oder Zucker (optional)
Zubereitung: Wasser zum Kochen bringen. Spitzwegerichblätter hinzufügen und 5-10 Minuten ziehen lassen. Tee abseihen und nach Geschmack mit Honig oder Zucker süßen.
Anwendung: 1-2 Tassen pro Tag bei Husten, Halsschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Entzündungen im Mund- und Rachenraum.

Spitzwegerich-Wickel

Zutaten: Frische Spitzwegerichblätter, Mulltuch, warmes Wasser
Zubereitung: Spitzwegerichblätter waschen und zerdrücken. Den Brei auf ein Mulltuch geben und auf die betroffene Stelle auflegen. Mit einem feuchten Tuch fixieren.
Anwendung: Bei Prellungen, Verstauchungen, Insektenstichen und Hauterkrankungen.

Spitzwegerich-Mundspülung

Zutaten: 1 TL getrocknete Spitzwegerichblätter, 1 Tasse Wasser
Zubereitung: Wasser zum Kochen bringen. Spitzwegerichblätter hinzufügen und 5 Minuten ziehen lassen. Mundspülung abkühlen lassen und nach dem Zähneputzen verwenden.
Anwendung: Bei Mund- und Zahnfleischentzündungen, Halsschmerzen und Aphthen.

Spitzwegerich-Saft

Zutaten: Frische Spitzwegerichblätter, Zitrone
Zubereitung: Spitzwegerichblätter waschen und klein schneiden. Mit etwas Zitronensaft in einem Mixer pürieren. Den Saft durch ein Sieb filtern.
Anwendung: Pur oder mit Wasser verdünnt bei Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Entzündungen im Mund- und Rachenraum.

Spitzwegerich-Hustenhonig

Zutaten: 50 g frische Spitzwegerichblätter, 250 g flüssiger Honig
Zubereitung: Blätter gründlich waschen, sehr gut trocken tupfen und fein schneiden. In ein sauberes Glas füllen und mit dem Honig vollständig bedecken. Gut verrühren, verschließen und 7 Tage dunkel ziehen lassen. Einmal täglich umrühren. Danach durch ein feines Sieb abfiltern.
Anwendung: Bei Reizhusten 1 TL langsam im Mund zergehen lassen, 3 bis 5 Mal täglich. Nicht für Kinder unter 1 Jahr wegen Honig.

Spitzwegerich-Oxymel gegen trockenen Husten

Zutaten: 30 g frische Spitzwegerichblätter, 150 g Honig, 150 ml naturtrüber Apfelessig
Zubereitung: Blätter fein schneiden. Honig und Apfelessig verrühren, Spitzwegerich einrühren und alles in ein sauberes Schraubglas geben. 10 Tage dunkel ziehen lassen, täglich schwenken. Danach abseihen.
Anwendung: 1 TL pur oder in wenig lauwarmem Wasser, 2 bis 4 Mal täglich bei Hustenreiz.

Spitzwegerich-Sirup, kalt angesetzt

Zutaten: 100 g frische Spitzwegerichblätter, 100 ml abgekochtes, abgekühltes Wasser, 200 g Kandiszucker oder Rohrohrzucker
Zubereitung: Blätter fein hacken und mit dem Wasser 12 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Dann gut ausdrücken und filtrieren. Den Auszug mit dem Zucker in einen Topf geben und bei sehr kleiner Hitze langsam eindicken, bis eine sirupartige Konsistenz entsteht. Nicht stark kochen. Heiß in eine saubere Flasche füllen.
Anwendung: Erwachsene 3 bis 4 Mal täglich 1 TL. Kühl lagern und innerhalb von 2 bis 3 Wochen verbrauchen.

Spitzwegerich-Honig-Zwiebelsirup

Zutaten: 40 g frische Spitzwegerichblätter, 1 mittelgroße Zwiebel, etwa 100 g, 200 g Honig
Zubereitung: Zwiebel fein würfeln, Spitzwegerichblätter fein schneiden. Beides lagenweise in ein Glas schichten und mit Honig übergießen. 12 bis 24 Stunden ziehen lassen, danach abseihen.
Anwendung: Bei Husten 1 TL alle 3 bis 4 Stunden. Wegen der frischen Zwiebel gekühlt lagern und innerhalb von 5 Tagen verbrauchen.

Alkoholische Spitzwegerich-Tinktur

Zutaten: 50 g frische Spitzwegerichblätter, 200 ml Alkohol mit etwa 40 bis 50 Volumenprozent, zum Beispiel Doppelkorn
Zubereitung: Blätter fein schneiden und in ein Schraubglas geben. Mit Alkohol vollständig bedecken. 14 Tage dunkel ziehen lassen, täglich schütteln. Danach durch ein Tuch filtern und in eine Braunglasflasche füllen.
Anwendung: Innerlich traditionell 15 bis 20 Tropfen in etwas Wasser, bis zu 3 Mal täglich bei Hustenreiz. Äußerlich verdünnt im Verhältnis 1:5 mit abgekochtem Wasser auf kleine gereizte Hautstellen auftupfen. Nicht auf offene tiefe Wunden.

Alkoholfreies Spitzwegerich-Glycerit

Zutaten: 40 g frische Spitzwegerichblätter, 100 ml pflanzliches Glycerin, 50 ml abgekochtes, abgekühltes Wasser
Zubereitung: Glycerin und Wasser mischen. Spitzwegerich fein schneiden, in ein Glas geben und mit der Mischung übergießen. 14 Tage dunkel ziehen lassen, täglich schwenken. Danach abfiltern.
Anwendung: 1 TL langsam im Mund verteilen, 3 Mal täglich bei trockenem Hals und Hustenreiz. Gekühlt aufbewahren.

Spitzwegerich-Lutschpastillen

Zutaten: 20 g fein gemahlenes, getrocknetes Spitzwegerichblatt 80 g Honig, 40 g Puderzucker oder sehr fein gemahlenes Erythrit, 10 g Stärke, falls die Masse zu weich ist
Zubereitung: Getrocknete Blätter im Mörser oder Mixer zu feinem Pulver verarbeiten. Mit Honig und Puderzucker zu einer formbaren Masse verkneten. Falls nötig, wenig Stärke zugeben. Kleine Pastillen von etwa 1 g formen und 24 Stunden antrocknen lassen.
Anwendung: 1 Pastille langsam lutschen, bis zu 5 Mal täglich bei trockenem Hals und Reizhusten.

Spitzwegerich-Hustenbonbons

Zutaten: 100 g Zucker, 2 EL Spitzwegerich-Tinktur aus Rezept 5, 1 EL Zitronensaft
Zubereitung: Zucker in einem kleinen Topf langsam schmelzen, bis hellbrauner Karamell entsteht. Vom Herd nehmen, vorsichtig Zitronensaft und Tinktur einrühren. Sofort kleine Tropfen auf Backpapier setzen und aushärten lassen.
Anwendung: 1 Bonbon langsam lutschen bei Hustenreiz. Wegen Zucker und konzentrierter Form nur sparsam verwenden.

Spitzwegerich-Ölmazerat für gereizte Haut

Zutaten: 30 g gut angetrocknete Spitzwegerichblätter, 250 ml Mandelöl oder Olivenöl
Zubereitung: Blätter nur verwenden, wenn sie wirklich trocken beziehungsweise angewelkt sind, damit kein Wasser ins Öl gelangt. Grob zerkleinern, in ein sauberes Glas geben und mit Öl vollständig bedecken. 2 bis 3 Wochen dunkel ziehen lassen, täglich schwenken. Danach sorgfältig filtern.
Anwendung: 2 bis 3 Mal täglich dünn auf kleine, gereizte Hautstellen oder auf juckende Insektenstiche auftragen. Nicht auf stark nässende, verschmutzte oder tiefe Wunden.

Abschließend

Und, habt ihr Lust auf mehr bekommen? Hier auf diesem Blog posten wir laufend Inhalte über Kräuterkunde, Hausmittel, Gesunde Rezepte, Brauchtum und alles rund um Heilkräuter. Bitte beachtet, dass es Pflanzen gibt, die in manchen Regionen unter Naturschutz stehen und daher nicht gesammelt werden dürfen. Falls ihr einen ersten Überblick über wichtige Basisrezepte finden wollt, könnt ihr dies im Blogbeitrag Grundrezepte für die Kräuterheilkunde nachlesen.

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