Oft in den Gärten als Unkraut beschrieben, ist der Löwenzahn in unserer Klimazone überall zu finden. Bekannt ist er seit dem 11. Jahrhundert, wo arabische Ärzte erstmals seine Heilwirkung entdeckten. Neben seiner Heilwirkung gegen Bronchitis, Fieber, Frühjahrsmüdigkeit, Verstopfung, Rheuma, Gicht und vielem mehr erzielt er auch hervorragenden Erfolge bei der Anwendung als Öl.
Der Legende nach…
Der Milchsaft im Löwenzahn soll Warzen vertreiben, wenn man dies bei abnehmenden Mond durchführt. Darüber hinaus bleiben Menschen, die die ersten drei Knospen des Löwenzahns verschlucken das ganze Jahr gesund.
Um einen geliebten Menschen eine Nachricht mental zu übermitteln, bläst man auf die Pusteblume und blickt in die Richtung der entsprechenden Person. Dabei soll man die Nachricht visualisieren. Der Legende nach erhält die Person die Nachricht.
Löwenzahn: Heilkraut vor der Tür (Taraxacum officinale)
Der Löwenzahn gehört zu den Pflanzen, die fast jeder kennt und die doch oft unterschätzt werden. Für viele ist er nur eine gelbe Wiesenblume oder ein hartnäckiges Gartenkraut. In der Kräuterkunde und Volksheilkunde hat er jedoch seit langer Zeit einen festen Platz. Genutzt werden nicht nur die Blätter, sondern auch die Wurzel, die Blüten und sogar der milchige Pflanzensaft. Als Heilpflanze ist der Löwenzahn vor allem traditionell mit Verdauung, Appetit, Galle und Harnfluss verbunden. Gleichzeitig ist er auch eine essbare Wildpflanze, die in der Küche erstaunlich vielseitig verwendet werden kann.
Botanik
Der gewöhnliche Löwenzahn wird botanisch meist als Taraxacum officinale bezeichnet. Er gehört zur Familie der Korbblütler, also zur Asteraceae, und ist eine mehrjährige krautige Pflanze. Typisch ist seine kräftige Pfahlwurzel, aus der immer wieder neue Blattrosetten austreiben können. Genau das erklärt auch, warum er im Garten so ausdauernd ist.
Die Blätter wachsen in einer grundständigen Rosette direkt über der Wurzel. Sie sind je nach Standort und Art mehr oder weniger tief eingeschnitten. Die gelben Blüten sitzen jeweils einzeln auf einem hohlen, blattlosen Stängel. Botanisch interessant ist, dass das, was viele für eine einzelne Blüte halten, in Wahrheit ein ganzer Blütenstand aus vielen Zungenblüten ist. Nach der Blüte entsteht der bekannte kugelige Samenstand, dessen Früchte mit einem feinen Haarschirm versehen sind und durch den Wind verbreitet werden. Außerdem tritt beim Abbrechen von Blättern oder Stängeln der typische weiße Milchsaft aus.
Das Löwenzahnkraut sammelt man im März und im April, Blätter von Mai bis September, Blüten im April und Mai. Die Wurzel im Frühjahr und im Herbst.
Heilwirkung
Löwenzahn wirkt entwässernd, nierenanregend, gallenflussfördernd sowie stoffewechselanregend und ist daher das ideale Frühlingskraut. In der Kräuterkunde wird er außerdem bei chronischen Entzündungen der Atemwege, bei Magengeschwüren, bei Durchfall, auch bei Rheuma, Gicht, Blähungen und Verdauungsbeschwerden angewendet. Er gehört zu den ersten Vitaminquellen des neuen Jahres. Nebenwirkungen: Vorsicht bei empfindlichen Magen. Schwangere und Stillende die Anwendungen vorab mit dem Arzt/der Ärztin besprechen. Nicht geeignet für Kinder unter 12. Hier einige Rezepte:
Anwendungen
1. Löwenzahnwurzel-Tinktur
Zutaten
- 50 g getrocknete, fein geschnittene Löwenzahnwurzel
- 250 ml Alkohol mit etwa 45 Volumenprozent (Korn, Vodka)
- 1 Schraubglas
- 1 dunkle Tropfflasche
Rezept: Die Mengen entsprechen einem Verhältnis von 1:5 aus Löwenzahnwurzel mit Alkohol vermengen. Gib die getrocknete Wurzel in ein sauberes Glas, übergieße sie mit dem Alkohol, verschließe das Glas und lasse den Ansatz 14 bis 21 Tage bei Zimmertemperatur ziehen. Einmal täglich kurz schütteln. Danach durch ein feines Sieb oder Tuch abfiltern und in eine dunkle Flasche füllen.
Anwendung: Für standardisierte Tinkturen nennt die EMA als traditionelle Einzeldosis 5 bis 10 ml, dreimal täglich. Bei Appetitverlust sollen solche Zubereitungen etwa 30 Minuten vor dem Essen eingenommen werden. Für selbst hergestellte Tinkturen gilt dieselbe Orientierung nur eingeschränkt, weil Hausansätze nie ganz so gleichmäßig sind wie Fertigpräparate. Daher würde ich im Hausgebrauch eher mit 5 ml beginnen. Wenn Beschwerden länger als zwei Wochen bestehen, sollte ärztlich abgeklärt werden.
2. Löwenzahnwurzel-Dekokt als Bitterauszug
Zutaten
- 1 bis 5 g getrocknete Löwenzahnwurzel
- 150 ml Wasser
- kleiner Topf
- Sieb
Rezept: Die zerkleinerte getrocknete Wurzel für eine Abkochung verwenden. Gib die Wurzel in kaltes Wasser, bringe alles zum Kochen und lasse es 5 bis 10 Minuten sanft köcheln. Danach 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Anwendung: Traditionell werden 1 bis 5 g Wurzel in 150 ml Wasser zwei- bis dreimal täglich verwendet. Diese Form dient der symptomatischen Linderung leichter Verdauungsbeschwerden, vorübergehendem Appetitverlust und der Unterstützung der Harnausscheidung. Bei Appetitmangel wird die Einnahme etwa 30 Minuten vor dem Essen genannt. Da du ausdrücklich Anwendungen ohne Tee wolltest, führe ich das hier als Bitterabkochung an.
3. Frischer Löwenzahnwurzel-Presssaft
Zutaten
- 200 bis 300 g frische, gründlich gewaschene Löwenzahnwurzeln
- etwas Wasser zum Entsaften
- Entsafter oder Mixer
- feines Tuch
Rezept: Die frischen Wurzeln klein schneiden. Im Entsafter entsaften oder mit wenig Wasser fein pürieren und anschließend durch ein Tuch kräftig auspressen. Den Saft in eine saubere Flasche füllen und im Kühlschrank maximal 24 Stunden aufbewahren.
Anwendung: Für Saft aus frischer Wurzel 4 bis 8 ml dreimal täglich für die traditionellen Anwendungsgebiete Verdauungsbeschwerden und Unterstützung der Harnwege.
4. Löwenzahn-Bitteressig
Zutaten
- 2 gut gefüllte Hände junge Löwenzahnblätter
- optional 5 bis 8 Löwenzahnblüten
- 500 ml naturtrüber Apfelessig
- 1 großes Schraubglas
Rezept: Blätter und optional Blüten locker in das Glas geben und mit Essig vollständig bedecken. Das Glas verschließen und 10 bis 14 Tage dunkel ziehen lassen. Danach abseihen und in eine saubere Flasche füllen. Löwenzahn wird sowohl als Heilpflanze als auch als Lebensmittel genutzt; Blätter und Blüten werden in der Literatur als traditionelle Nahrungszubereitungen beschrieben.
Anwendung: Kulinarisch 1 bis 2 Teelöffel in Salatdressings, zu Ofengemüse oder in etwas Wasser verdünnt vor einer schweren Mahlzeit. Das ist eine traditionelle Küchenanwendung und kein standardisiertes Arzneimittel. Wer empfindlich auf Säure reagiert, sollte klein anfangen.
5. Löwenzahn-Oxymel
Zutaten
- 1 Handvoll frische Löwenzahnblüten oder 1 Handvoll fein geschnittene junge Blätter
- 100 ml Apfelessig
- 100 ml Honig
- 1 kleines Schraubglas
Rezept: Blüten oder Blätter locker in das Glas geben. Honig und Essig verrühren, darüber gießen und alles gut vermischen. 7 bis 10 Tage ziehen lassen, danach abseihen.
Anwendung: 1 Teelöffel pur oder in etwas Wasser eingerührt, ein- bis zweimal täglich als bitter-säuerliche Kräuterzubereitung. Wegen Honig nicht für Kinder unter einem Jahr.
6. Löwenzahnsalat mit jungen Blättern
Zutaten
- 2 Hände junge Löwenzahnblätter
- 1 gekochtes Ei
- 1 kleine rote Zwiebel
- 2 Esslöffel Olivenöl
- 1 Esslöffel Löwenzahnessig oder Apfelessig
- 1 Teelöffel Senf
- etwas Salz und Pfeffer
Rezept: Die jungen Blätter gründlich waschen und trocken tupfen. Zwiebel fein schneiden, Ei hacken. Aus Öl, Essig und Senf ein Dressing rühren und alles vorsichtig mischen. Die Literatur beschreibt junge Löwenzahnblätter ausdrücklich als essbar und als klassische Salatpflanze.
Anwendung: Als Vorspeise oder kleine Beilage, besonders im Frühjahr. Die jungen Blätter schmecken milder als ältere. Diese Form ist eine ernährungsbezogene Anwendung, keine standardisierte Heilbehandlung, kann aber die traditionelle Rolle als bitteres Frühlingsgrün gut abbilden.
7. Löwenzahn-Pesto
Zutaten
- 50 g junge Löwenzahnblätter
- 40 g Sonnenblumenkerne oder Walnüsse
- 50 g geriebener Hartkäse
- 100 ml Olivenöl
- 1 kleine Knoblauchzehe
- etwas Salz
- optional etwas Zitronensaft
Rezept: Alle Zutaten im Mixer oder Mörser zu einer streichfähigen Paste verarbeiten. Bei Bedarf etwas mehr Öl zufügen. Junge Löwenzahnblätter werden in der Literatur als Lebensmittel und Gewürzgrün beschrieben; daraus ergibt sich diese alltagstaugliche Verwendung.
Anwendung: 1 bis 2 Esslöffel zu Pasta, Ofenkartoffeln, aufs Brot oder als Würzpaste in Gemüsegerichten. Das Pesto ist vor allem eine kulinarische Bitterstoff-Anwendung.
8. Geröstete Löwenzahnwurzel als Kaffeeersatz
Zutaten
- 200 g frische Löwenzahnwurzeln
- Backblech
- Messer
- Mühle oder Mixer
Rezept: Die Wurzeln gut reinigen, längs halbieren und in dünne Stücke schneiden. Zuerst bei niedriger Temperatur trocknen, dann im Ofen bei etwa 150 bis 170 Grad rösten, bis sie dunkelbraun und aromatisch sind, aber nicht verbrannt. Danach auskühlen lassen und fein mahlen. In Reviews wird ausdrücklich beschrieben, dass Löwenzahnwurzel traditionell als Kaffeeersatz genutzt wird.
Anwendung: Für 1 Tasse etwa 1 bis 2 Teelöffel des Pulvers mit 200 ml Wasser 5 bis 10 Minuten köcheln lassen und dann abseihen. Geschmacklich ist das natürlich kein Kaffee, sondern ein kräftig-röstiges Wurzelgetränk. Diese Anwendung ist traditionell-kulinarisch.
9. Löwenzahnblüten-Sirup
Zutaten
- 100 g frische Löwenzahnblüten, nur gelbe Blütenblätter oder ganze saubere Blütenköpfchen
- 1 Liter Wasser
- 1 Bio-Zitrone in Scheiben
- 700 bis 1000 g Zucker
Rezept: Blüten mit Wasser und Zitronenscheiben kurz aufkochen, dann 12 bis 24 Stunden ziehen lassen. Am nächsten Tag abseihen, die Flüssigkeit mit Zucker erneut erhitzen und sanft einkochen, bis ein sirupartiger Zustand entsteht. In der ethnobotanischen Literatur wird beschrieben, dass Löwenzahnblütensirup traditionell hergestellt wurde, teils durch Bestreuen mit Zucker, teils durch Kochen mit Zitrone.
Anwendung: 1 Teelöffel pur, in Wasser oder über Desserts. Das ist eine traditionelle Volks- und Küchenzubereitung, keine standardisierte medizinische Anwendung. Wegen des hohen Zuckergehalts nur maßvoll verwenden.
10. Aus der TCM
Die Abkochung aus gerösteten Wurzeln zur Stärkung der Leber gilt als sehr hilfreiches Tonikum.
Die Wurzel in kleine Stückchen schneiden, bei mittlerer Temperatur im Ofen rösten, bis sie leicht braun und trocken sind; 7 min kochen lassen; mehrmals tgl 1 Tasse trinken. (Traversier, 2014, S. 400)
11. Löwenzahntee als Frühjahrskur
2 Teelöffel klein geschnittenen Löwenzahn diesen übergießt mit einer Tasse kaltem Wasser. Eine Minute kochen lassen. Noch zehn Minuten ziehen lassen und absieben. Über den Tag verteilt 2-3 Tassen getrunken, wirkt er entwässernd und entschlackend. Löwenzahntee ist die ideale Ergänzung zum Heilfasten. In meinem Beitrag “Heilfasten – Fastenkuren im Überblick” findet ihr einen guten Überblick.
Diese Kur sollte mindestens fünf Wochen lang durchgeführt werden. Es entlastet die Leber und regt den Gallenfluss an.
Wer es nicht so mit so mit dem Tee hat, kann auch eine Saftkur machen. Dazu einfach die Blätter in den Entsafter geben und auch drei Wochen ein kleines Glas trinken.
12. Brustöl: äußerlich angewendet
Wird in der Kräuterheilkunde vorbeugend gegen Brustkrebs verwendet.
Rezept:
- Löwenzahn, das ganze blühende Kraut mit Blättern, Stängeln und Blüten
- Frauenmantel
- Angelikawurzel
- Kamillenblüten
- Rapsöl

13. Löwenzahn-Honig
Löwenzahn ist nicht nur gesund sondern schmeckt auch lecker. Hier ein Rezept zum selber machen, das auch Kindern sehr gut schmeckt.
Zutaten
- 200 Stück Löwenzahnblüten
- 1 Liter Wasser
- 1 kg Zucker
- 1 Bio-Zitrone
Rezept: Blüten gründlich abspülen und in einen großen Kochtopf geben. Diesen dem Wasser füllen und die entkernte, in dünne Scheiben geschnittene, Zitronen hinzugeben. 15 min aufkochen und dann über Nacht ruhen lassen. Die Masse durch ein sauberes Leinentuch sieben und ausdrücken. Der daraus gewonnene Saft wird mit dem Zucker als Sirup eingekocht. Es empfiehlt sich immer gut umzurühren bis die Masse eine konstante Festigkeit hat. Danach in saubere Marmeladenglas füllen.
Quellen
Traversier, R. (2014). Westliche Pflanzen und ihre Wirkungen in der TCM, Haug.
Abschließend
Und, habt ihr Lust auf mehr bekommen? Hier auf diesem Blog posten wir laufend Inhalte über Kräuterkunde, Hausmittel, Gesunde Rezepte, Brauchtum und alles rund um Heilkräuter. Bitte beachtet, dass es Pflanzen gibt, die in manchen Regionen unter Naturschutz stehen und daher nicht gesammelt werden dürfen. Falls ihr einen ersten Überblick über wichtige Basisrezepte finden wollt, könnt ihr dies im Blogbeitrag Grundrezepte für die Kräuterheilkunde nachlesen.
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Liebe Schnu,
der Löwenzahn ist einer meiner absoluten Lieblinge. Laut der chinesischen Medizin hilft er auch sehr gut gegen Pickel.
Liebe Grüße, Miriam