Fenchel

Fenchel – die Heilpflanze des Frühherbstes

Wenn im Spätsommer und Frühherbst die gelben Blütendolden des Fenchels langsam braun werden, beginnt die Erntezeit seiner aromatischen Früchte. Umgangssprachlich werden sie meist Fenchelsamen genannt, botanisch handelt es sich jedoch um Früchte. Gerade im September und Oktober lohnt es sich, diese bekannte Heilpflanze genauer anzusehen. Denn Fenchel kann wesentlich mehr, als nur einem Tee seinen typischen süßlich-anisartigen Geschmack zu verleihen.

Botanik

Fenchel trägt den botanischen Namen Foeniculum vulgare und gehört zur Familie der Doldenblütler, den Apiaceae. Damit ist er unter anderem mit Kümmel, Anis, Dill, Koriander, Petersilie und Sellerie verwandt.

Die ausdauernde krautige Pflanze kann deutlich über einen Meter hoch werden und fällt durch ihre fein gefiederten, beinahe fadenförmigen Blätter auf. Im Sommer erscheinen zahlreiche kleine gelbe Blüten, die in den für Doldenblütler typischen großen Doppeldolden angeordnet sind. Aus ihnen entwickeln sich die länglichen, deutlich gerippten Früchte. Fenchel stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet, wird mittlerweile aber in vielen Regionen Europas kultiviert. Neben dem Gemüsefenchel mit seinen verdickten Blattscheiden gibt es Formen, die vor allem wegen ihrer aromatischen Früchte angebaut werden. Für Heilzwecke werden insbesondere Bitterfenchel und Süßfenchel verwendet.

Die Früchte reifen im Spätsommer und Herbst. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt die Erntezeit ungefähr zwischen September und November. Geerntet werden die Dolden, wenn sich die Früchte entwickelt haben und zu trocknen beginnen. Anschließend lässt man sie an einem trockenen, luftigen Ort vollständig nachtrocknen und löst die Früchte aus den Dolden.

Fenchel

 

Heilwirkung

Der charakteristische Duft des Fenchels stammt vor allem von seinem ätherischen Öl. Besonders bekannt ist trans-Anethol, das auch für den typischen süßlichen Geschmack verantwortlich ist. Weitere Bestandteile sind unter anderem Fenchon, Estragol und Limonen. Darüber hinaus enthält die Frucht Flavonoide und weitere Pflanzenstoffe.

Medizinisch interessant ist Fenchel vor allem wegen seiner traditionellen Anwendung bei Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und der Atemwege.

Ein weiteres klassisches Einsatzgebiet ist Erkältungshusten. Fenchel wird traditionell als schleimlösendes Mittel verwendet und soll das Abhusten von Sekret erleichtern.

Anwendungen

Eine der einfachsten und sinnvollsten Möglichkeiten, Fenchel medizinisch zu verwenden, ist ein frisch zubereiteter Tee. Dabei sollten die Früchte erst unmittelbar vor der Zubereitung leicht zerstoßen werden. Dadurch wird ihre Oberfläche vergrößert und das ätherische Öl kann besser in den Aufguss übergehen. Bereits lange zuvor gemahlene Früchte verlieren dagegen schneller ihr Aroma und damit einen Teil ihrer flüchtigen Bestandteile.

Fenchel sollte im Rahmen dieser traditionellen Selbstmedikation bei Erwachsenen nicht länger als zwei Wochen verwendet werden. Bleiben Beschwerden bestehen, verschlimmern sie sich oder treten ungewöhnliche Symptome auf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Auch wenn Fenchel als Lebensmittel alltäglich erscheint, gibt es Einschränkungen. Bei einer bekannten Allergie gegen Fenchel, Anis, Kümmel, Sellerie, Koriander, Dill oder Anethol sollte auf medizinische Fenchelzubereitungen verzichtet werden. Auch Kreuzreaktionen bei einer Beifußpollenallergie sind möglich.

Während Schwangerschaft und Stillzeit soll Fenchel aufgrund unzureichender Sicherheitsdaten nicht verwendet werden.

Hier findet ihr weitere Heilkräuter für den Herbst.

Rezept 1: Klassischer Fencheltee bei Blähungen und Völlegefühl

Zutaten: 1,5 Gramm getrocknete Fenchelfrüchte und 250 Milliliter kochendes Wasser.

Rezept: Die Fenchelfrüchte unmittelbar vor der Zubereitung mit einem Mörser oder der flachen Seite eines Löffels leicht zerdrücken. Sie müssen nicht zu Pulver zermahlen werden. Mit dem kochenden Wasser übergießen, abdecken und 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.

Anwendung: Der Tee kann warm nach einer Mahlzeit oder bei leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden und Blähungen getrunken werden. Für Erwachsene sind im Rahmen der traditionellen Anwendung bis zu drei Portionen täglich vorgesehen. Die Gesamtmenge von 4,5 Gramm Fenchelfrüchten täglich sollte dabei nicht überschritten werden.

Haltbarkeit: Fencheltee sollte möglichst frisch zubereitet und unmittelbar getrunken werden. Reste sollten nicht über mehrere Tage aufbewahrt werden.

Rezept 2: Fenchel-Anis-Kümmel-Tee

Zutaten: 1 Teil Fenchelfrüchte, 1 Teil Anisfrüchte und 1 Teil Kümmelfrüchte. Für eine Tasse werden insgesamt etwa 2 bis 3 Gramm der Mischung und 250 Milliliter kochendes Wasser verwendet.

Rezept: Fenchel, Anis und Kümmel erst kurz vor der Zubereitung leicht anstoßen. Die Kräutermischung mit kochendem Wasser übergießen, abdecken und etwa 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen.

Anwendung: Diese klassische Kräuterkombination wird traditionell bei Völlegefühl, Blähungen und leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Fenchel, Anis und Kümmel werden jeweils traditionell für Beschwerden des Verdauungstraktes verwendet. Bei länger anhaltenden oder starken Bauchschmerzen sollte allerdings nicht weiter mit Hausmitteln experimentiert, sondern die Ursache abgeklärt werden.

Haltbarkeit: Die trockene Mischung wird am besten aus ganzen Früchten hergestellt und luftdicht, trocken und lichtgeschützt gelagert. Die Früchte sollten erst unmittelbar vor der Verwendung zerstoßen werden. Der fertige Tee wird frisch verwendet. Für die trockenen Früchte gilt das jeweilige Mindesthaltbarkeitsdatum beziehungsweise bei eigener Ernte eine sorgfältige Kontrolle auf Geruch, Feuchtigkeit und Schimmel.

Rezept 3: Wärmender Fencheltee bei leichten Menstruationskrämpfen

Zutaten: 1,5 Gramm Fenchelfrüchte und 250 Milliliter kochendes Wasser.

Rezept: Die Früchte leicht zerstoßen, mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und warm trinken.

Anwendung: Fenchelfrüchte werden traditionell auch zur symptomatischen Behandlung leichter Krämpfe während der Menstruation eingesetzt. Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren können bis zu dreimal täglich eine frisch zubereitete Tasse trinken. Starke, neu auftretende oder ungewöhnliche Unterleibsschmerzen, sehr starke Blutungen oder regelmäßig erhebliche Beschwerden gehören ärztlich beziehungsweise gynäkologisch abgeklärt.

Haltbarkeit: Der Tee sollte für jede Anwendung frisch zubereitet werden. Eine mehrtägige Vorratshaltung ist nicht sinnvoll.

Rezept 4: Fenchel-Thymian-Tee bei Erkältungshusten

Zutaten: 1,5 Gramm leicht zerstoßene Fenchelfrüchte, etwa 1 Gramm getrocknetes Thymiankraut und 250 Milliliter kochendes Wasser.

Rezept: Fenchel und Thymian in eine Tasse geben, mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt etwa 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend sorgfältig abseihen. Wer möchte, kann den abgekühlten Tee mit etwas Honig süßen.

Anwendung: Fenchel und Thymian gehören zu den traditionellen pflanzlichen Mitteln bei erkältungsbedingtem Husten. Fenchel wird traditionell als schleimlösendes Mittel eingesetzt, Thymian ebenfalls bei produktivem Erkältungshusten. Der Tee kann warm in kleinen Schlucken getrunken werden. Bei Atemnot, hohem Fieber, Schmerzen im Brustkorb, blutigem Auswurf oder länger anhaltendem Husten ist eine medizinische Abklärung notwendig.

Haltbarkeit: Am besten frisch trinken. Eine trockene Tee-Mischung kann gut verschlossen, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Der bereits aufgegossene Tee sollte nicht mehrere Tage gelagert werden.

Rezept 5: Frischer Fenchel-Hustensirup mit Honig

Zutaten: 3 Gramm Fenchelfrüchte, 250 Milliliter kochendes Wasser und etwa 100 Gramm Honig.

Rezept: Die Fenchelfrüchte frisch zerstoßen, mit dem kochenden Wasser übergießen und zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen. Sehr sorgfältig abseihen und den Aufguss abkühlen lassen, bis er nur noch handwarm ist. Anschließend mit dem Honig verrühren. In ein sehr sauberes Glas füllen und sofort in den Kühlschrank stellen.

Anwendung: Dieser Sirup ist ein Hausmittel und keine standardisierte Arzneizubereitung. Erwachsene können bei Erkältungshusten einen Teelöffel langsam im Mund zergehen lassen oder in warmes Wasser geben. Der Honig kann einen gereizten Hals angenehm überziehen, während der Fenchel traditionell bei Erkältungshusten verwendet wird. Die Mischung ersetzt keine Behandlung bei schweren oder anhaltenden Atemwegsbeschwerden.

Haltbarkeit: Da bei diesem Rezept Wasser enthalten ist und keine Konservierung unter kontrollierten Bedingungen erfolgt, sollte der Sirup nur in kleiner Menge hergestellt, gekühlt aufbewahrt und innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden. Bei Veränderungen von Geruch, Geschmack oder Aussehen wird er entsorgt.

Rezept 6: Warme Fenchelauflage für den Bauch

Zutaten: 2 Gramm Fenchelfrüchte, 250 Milliliter heißes Wasser, ein sauberes Baumwoll- oder Leinentuch und ein trockenes Handtuch.

Rezept: Die Fenchelfrüchte leicht zerstoßen, mit dem heißen Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen. Das Tuch mit dem warmen Aufguss tränken und gut ausdrücken. Vor dem Auflegen unbedingt die Temperatur prüfen. Das warme, aber keinesfalls heiße Tuch auf den Bauch legen und mit einem trockenen Handtuch abdecken.

Anwendung: Die wohltuende Wirkung dürfte dabei wesentlich durch die Wärme und Ruhe entstehen. Sie kann bei einem leichten Gefühl von Spannung oder Unwohlsein im Bauch als ergänzende Maßnahme angenehm sein. Bei starken, unklaren oder anhaltenden Bauchschmerzen sollte keine Wärmebehandlung auf Verdacht durchgeführt werden, sondern die Ursache medizinisch abgeklärt werden.

Haltbarkeit: Der Aufguss wird für jede Auflage frisch hergestellt und anschließend entsorgt.

Rezept 7: Fenchel-Oxymel

Zutaten: 10 Gramm Fenchelfrüchte, 100 Milliliter naturtrüber Apfelessig und 200 Gramm Honig.

Rezept: Die Fenchelfrüchte unmittelbar vor der Verarbeitung leicht anstoßen. Honig und Apfelessig gründlich miteinander verrühren und die Fenchelfrüchte dazugeben. Alles in ein sauberes Schraubglas füllen. Die Mischung etwa sieben bis zehn Tage im Kühlschrank ziehen lassen und einmal täglich vorsichtig umrühren oder schwenken. Anschließend durch ein feines Sieb abseihen und in eine saubere Flasche füllen.

Anwendung: Fenchel-Oxymel ist ein traditionelles Hausmittel und keine standardisierte Arzneizubereitung. Ein Teelöffel kann in einem Glas Wasser verdünnt und beispielsweise nach einer schweren Mahlzeit getrunken werden. Der Fenchel wird traditionell bei leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden und Blähungen eingesetzt. Die Kombination mit Essig und Honig ist dagegen nicht Bestandteil der entsprechenden europäischen Arzneipflanzenmonographie, weshalb daraus keine gesicherte zusätzliche Heilwirkung abgeleitet werden sollte. Wegen des Essigs sollte das Oxymel immer verdünnt getrunken werden. Bei empfindlichem Magen oder Sodbrennen kann die säurehaltige Zubereitung ungeeignet sein.

Haltbarkeit: Da es sich um eine selbst hergestellte und nicht mikrobiologisch geprüfte Zubereitung handelt, empfehle ich eine konservative Aufbewahrung im Kühlschrank und einen Verbrauch innerhalb von etwa vier Wochen. Bei Veränderungen von Geruch, Geschmack, Farbe oder Konsistenz sollte das Oxymel entsorgt werden.

 

 

Abschließend

Und, habt ihr Lust auf mehr bekommen? Hier auf diesem Blog posten wir laufend Inhalte über Kräuterkunde, Hausmittel, Gesunde Rezepte, Brauchtum und alles rund um Heilkräuter. Bitte beachtet, dass es Pflanzen gibt, die in manchen Regionen unter Naturschutz stehen und daher nicht gesammelt werden dürfen. Falls ihr einen ersten Überblick über wichtige Basisrezepte finden wollt, könnt ihr dies im Blogbeitrag Grundrezepte für die Kräuterheilkunde nachlesen.

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