Schlehe

Welche Heilkräuter kann man im Oktober sammeln und verarbeiten?

Der Oktober ist ein ganz besonderer Monat für die Kräuterheilkunde. Während sich die oberirdischen Pflanzenteile vieler Heilkräuter langsam zurückziehen, beginnt die klassische Zeit zum Sammeln von Wurzeln. Die Pflanzen speichern jetzt einen großen Teil ihrer Reservestoffe unter der Erde, weshalb Löwenzahnwurzel, Beinwellwurzel, Eibischwurzel oder Baldrianwurzel zu den typischen Sammelschätzen dieser Jahreszeit gehören.

Gleichzeitig schenkt uns der Herbst zahlreiche Früchte. Schlehen warten nach den ersten kalten Nächten auf ihre Ernte, Sanddorn leuchtet orange an den Zweigen und auch Quitten sind jetzt reif. Damit bietet der Oktober noch einmal eine erstaunliche Vielfalt für die natürliche Hausapotheke.

Quitte

Wurzeln werden am besten an einem trockenen Tag ausgegraben, gründlich von Erde befreit und je nach Rezept frisch verarbeitet oder zerkleinert getrocknet. Dabei sollte natürlich nur gesammelt werden, was zweifelsfrei bestimmt werden kann.

Welche Heilkräuterrezepte und Hausmittel gibt es für den Oktober?

1. Löwenzahnwurzel-Tinktur

Rezept:
50 g frische Löwenzahnwurzel
200 ml Alkohol mit etwa 40 Volumenprozent

Zubereitung:
Die Wurzeln gründlich säubern, klein schneiden und in ein sauberes Schraubglas geben. Mit dem Alkohol vollständig bedecken und das verschlossene Glas etwa vier Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen. Regelmäßig schütteln und anschließend sorgfältig abfiltern.

Anwendung:
Löwenzahnwurzel wird traditionell zur Unterstützung der Verdauung und des Appetits verwendet. Die fertige Tinktur kann tropfenweise in etwas Wasser gegeben werden.

Haltbarkeit:
Dunkel und kühl gelagert etwa ein Jahr.

2. Geröstete Löwenzahnwurzel als Kaffeeersatz

Rezept:
Frische Löwenzahnwurzeln

Zubereitung:
Die Wurzeln gründlich reinigen, in kleine Stücke schneiden und zunächst vollständig trocknen. Anschließend in einer Pfanne ohne Fett langsam rösten, bis sie dunkelbraun werden und einen kräftigen Duft entwickeln. Nach dem Abkühlen fein mahlen.

Anwendung:
Etwa einen Teelöffel des Pulvers mit 200 ml Wasser einige Minuten köcheln lassen und anschließend abseihen. Das Ergebnis ist ein herbes, koffeinfreies Getränk mit leicht malziger Note.

Haltbarkeit:
Das geröstete Wurzelpulver trocken und luftdicht mehrere Monate aufbewahren.

BUCHTIPP

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3. Beinwellwurzel-Öl für beanspruchte Muskeln und Gelenke

Rezept:
50 g frische Beinwellwurzel
200 ml Olivenöl

Zubereitung:
Die Wurzel gründlich reinigen, sehr klein schneiden und zunächst oberflächlich gut abtrocknen lassen. Mit dem Öl in ein Glas geben und etwa zwei bis drei Wochen ziehen lassen. Anschließend sehr sorgfältig filtern.

Anwendung:
Das Öl kann äußerlich zum Einreiben beanspruchter Muskeln und Gelenke verwendet werden. Beinwell wird traditionell äußerlich bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen eingesetzt.

Wichtig:
Beinwell sollte wegen der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide nicht innerlich angewendet werden.

4. Beinwellwurzel-Balsam

Rezept:
100 ml Beinwellwurzel-Öl
12 g Bienenwachs

Zubereitung:
Das Beinwellöl im Wasserbad langsam erwärmen. Bienenwachs hinzugeben und vollständig schmelzen lassen. Gut verrühren und noch flüssig in einen sauberen Tiegel füllen.

Anwendung:
Nach dem Erkalten entsteht ein fester Balsam, der dünn auf beanspruchte Körperstellen, bei Muskel- und Gelenksbeschwerden, aufgetragen werden kann.

Haltbarkeit:
Kühl und lichtgeschützt mehrere Monate aufbewahren und bei verändertem Geruch entsorgen.

5. Schlehensirup

Rezept:
500 g Schlehen
500 ml Wasser
250 g Zucker
1 EL Zitronensaft

Zubereitung:
Die Schlehen waschen und mit dem Wasser etwa 15 Minuten sanft köcheln. Die Früchte dabei leicht zerdrücken. Durch ein feines Sieb geben, ohne die Kerne zu zerkleinern. Den gewonnenen Saft mit Zucker und Zitronensaft nochmals einige Minuten aufkochen und heiß in saubere Flaschen füllen.

Anwendung:
Der herb-fruchtige Sirup kann löffelweise eingenommen oder mit Wasser verdünnt werden. Schlehen werden in der traditionellen Pflanzenkunde vor allem als kräftigendes Herbstmittel verwendet.

Haltbarkeit:
Ungeöffnet kühl und dunkel lagern. Angebrochene Flaschen gehören in den Kühlschrank.

6. Schlehen-Honig

Rezept:
150 g reife Schlehen
250 g Honig

Zubereitung:
Die Schlehen waschen, trocknen und leicht anquetschen, ohne die Kerne zu beschädigen. In ein Glas geben und vollständig mit Honig bedecken. Etwa zwei Wochen kühl ziehen lassen und anschließend abseihen.

Anwendung:
Der fruchtige Honig kann pur oder als Brotaufstrich verwendet werden und verbindet die herbe Schlehe mit der milden Süße des Honigs.

Haltbarkeit:
Kühl lagern und immer mit einem sauberen Löffel entnehmen.

7. Sanddorn-Fruchtmark

Rezept:
300 g Sanddornbeeren
100 g Zucker
50 ml Wasser

Zubereitung:
Die gewaschenen Beeren mit dem Wasser kurz erhitzen, bis sie weich werden. Anschließend durch ein feines Sieb oder eine Passiermühle streichen. Das Fruchtmark mit dem Zucker kurz erhitzen und heiß in kleine saubere Gläser füllen.

Anwendung:
Sanddorn ist von Natur aus reich an Vitamin C. Ein kleiner Löffel des säuerlichen Marks passt beispielsweise zu Joghurt, Porridge oder Müsli.

Haltbarkeit:
Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und rasch verbrauchen. Für eine längere Aufbewahrung kann das Mark portionsweise eingefroren werden.

8. Sanddorn-Körperöl

Rezept:
10 ml Sanddornfruchtfleischöl
90 ml Mandel- oder Jojobaöl

Zubereitung:
Beide Öle in eine dunkle Glasflasche geben und gründlich miteinander vermischen.

Anwendung:
Nach dem Duschen wenige Tropfen auf die noch leicht feuchte Haut geben und einmassieren. Das Öl eignet sich besonders für trockene und durch Wind und Kälte beanspruchte Herbsthaut.

Haltbarkeit:
Kühl und lichtgeschützt lagern und auf Geruchsveränderungen achten.

9. Eibischwurzel-Glycerin-Auszug

Rezept:
20 g getrocknete Eibischwurzel
100 ml pflanzliches Glycerin
50 ml abgekochtes und vollständig abgekühltes Wasser

Zubereitung:
Glycerin und Wasser vermischen. Die klein geschnittene Eibischwurzel in ein sauberes Glas geben und mit der Flüssigkeit bedecken. Verschlossen etwa zwei Wochen im Kühlschrank ziehen lassen und täglich bewegen. Anschließend sehr sorgfältig abfiltern.

Anwendung:
Eibischwurzel enthält reichlich Schleimstoffe und wird traditionell bei Reizungen im Mund- und Rachenraum sowie bei trockenem Hustenreiz verwendet.

Haltbarkeit:
Den fertigen Auszug im Kühlschrank lagern und bei Veränderungen von Geruch, Farbe oder Konsistenz entsorgen.

10. Baldrianwurzel-Tinktur

Rezept:
40 g frische Baldrianwurzel
200 ml Alkohol mit etwa 40 bis 50 Volumenprozent

Zubereitung:
Die Wurzel gründlich reinigen, klein schneiden und in ein Schraubglas geben. Mit Alkohol bedecken und etwa vier Wochen dunkel ziehen lassen. Regelmäßig schütteln und anschließend filtern.

Anwendung:
Baldrian wird traditionell bei leichter nervöser Anspannung und als Einschlafhilfe verwendet. Die Tinktur wird verdünnt eingenommen.

Haltbarkeit:
In einer dunklen Flasche kühl gelagert etwa ein Jahr.

11. Klettenwurzel-Haarspülung mit Apfelessig

Rezept:
30 g frische Klettenwurzel
250 ml Apfelessig

Zubereitung:
Die Wurzel gründlich reinigen, klein schneiden und in ein Glas geben. Mit Apfelessig übergießen und zwei bis drei Wochen ziehen lassen. Anschließend sorgfältig abfiltern.

Anwendung:
Für eine Haarspülung etwa einen Esslöffel des Kräuteressigs mit 250 ml Wasser verdünnen und nach der Haarwäsche über Haare und Kopfhaut geben. Klettenwurzel hat in der traditionellen Kräuterkosmetik eine lange Geschichte als Pflanze für Kopfhaut und Haar.

Haltbarkeit:
Kühl und dunkel mehrere Monate aufbewahren.

12. Seifenkrautwurzel-Shampoo

Rezept:
20 g getrocknete und zerkleinerte Seifenkrautwurzel
300 ml Wasser

Zubereitung:
Die Wurzel mit dem Wasser in einen Topf geben, langsam zum Kochen bringen und etwa zehn Minuten sehr sanft köcheln lassen. Anschließend vollständig abkühlen lassen und durch ein sehr feines Sieb filtern. Beim Bewegen der Flüssigkeit bildet sich durch die enthaltenen Saponine ein leichter Schaum.

Anwendung:
Eine kleine Menge auf das nasse Haar und die Kopfhaut geben, vorsichtig einmassieren und gründlich mit klarem Wasser ausspülen.

Haltbarkeit:
Da das Shampoo keine Konservierungsstoffe enthält, im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb weniger Tage verbrauchen.

13. Quittenkern-Gel für trockene Herbsthaut

Rezept:
1 EL unbeschädigte Quittenkerne
100 ml kaltes Wasser

Zubereitung:
Die ganzen Quittenkerne in ein sauberes Glas geben und mit kaltem Wasser bedecken. Einige Stunden stehen lassen. Rund um die Kerne bildet sich nach und nach eine gelartige Schleimschicht. Die Flüssigkeit anschließend durch ein feines Sieb abgießen.

Anwendung:
Das frische Gel kann dünn auf trockene und raue Hautstellen gegeben werden. Besonders Hände, Lippenumgebung oder durch kalten Wind beanspruchte Haut profitieren von der angenehm gleitenden Konsistenz.

Haltbarkeit:
Das Gel enthält keine Konservierung und sollte deshalb frisch hergestellt, im Kühlschrank aufbewahrt und innerhalb weniger Tage verwendet werden.

Wichtig:
Die Quittenkerne nicht zermahlen oder zerkauen, sondern für diese Anwendung ausschließlich unbeschädigt verwenden.

Der Oktober als Wurzelmonat

Im Oktober lohnt sich beim Kräutersammeln der Blick nach unten. Jetzt beginnt die Zeit, in der zahlreiche mehrjährige Pflanzen ihre Kraft in die unterirdischen Pflanzenteile zurückziehen. Löwenzahn, Beinwell, Eibisch, Baldrian und Klette gehören deshalb zu den besonders interessanten Heilpflanzen des Monats.

Daneben bringt der Oktober mit Schlehen, Sanddorn und Quitten noch einmal kräftige Herbstfrüchte hervor. So lässt sich die Hausapotheke vor dem Winter mit Tinkturen, Sirup, Hautpflege, Wurzelauszügen und weiteren einfachen Hausmitteln ergänzen.

Beim Ausgraben von Wurzeln sollte besonders zurückhaltend gesammelt werden, denn mit der Entnahme der Wurzel wird in der Regel die gesamte Pflanze entfernt. Deshalb nur dort sammeln, wo ausreichend Pflanzen vorhanden sind, niemals geschützte Bestände beernten und immer nur so viel mitnehmen, wie tatsächlich verarbeitet wird.

Abschließend

Und, habt ihr Lust auf mehr bekommen? Hier auf diesem Blog posten wir laufend Inhalte über Kräuterkunde, Hausmittel, Gesunde Rezepte, Brauchtum und alles rund um Heilkräuter. Bitte beachtet, dass es Pflanzen gibt, die in manchen Regionen unter Naturschutz stehen und daher nicht gesammelt werden dürfen. Falls ihr einen ersten Überblick über wichtige Basisrezepte finden wollt, könnt ihr dies im Blogbeitrag Grundrezepte für die Kräuterheilkunde nachlesen.

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