Einführung
Der Giersch, botanisch Aegopodium podagraria, gehört zur Familie der Doldenblütler und ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Viele Gartenbesitzer betrachten ihn als lästiges Unkraut, da er sich über unterirdische Ausläufer stark vermehrt. Historisch wurde Giersch jedoch als wertvolle Heil- und Nahrungspflanze geschätzt. Der Artname podagraria verweist auf die traditionelle Anwendung bei Podagra, also Gicht.
Giersch wächst bevorzugt in nährstoffreichen, humosen Böden, in Gärten, an Waldrändern, in Hecken und schattigen Lagen. Er ist eine der ersten essbaren Wildpflanzen im Frühjahr und liefert frisches Grün, wenn kultiviertes Gemüse noch rar ist.
Wo kann Giersch gesammelt werden
Gesammelt wird Giersch an unbelasteten Standorten, fern von stark befahrenen Straßen, Industrieanlagen oder intensiv bewirtschafteten Feldern. Geeignet sind:
- Eigener naturbelassener Garten
- Waldränder
- Heckenlandschaften
- Auwälder
- Schattige Parkanlagen ohne Hundeverkehr
Geerntet werden vorzugsweise junge, zarte Blätter vor der Blüte, da sie aromatischer und milder sind. Auch die jungen Blattstiele und die Blüten sind essbar. Die Wurzel wurde traditionell ebenfalls verwendet, spielt heute jedoch eine untergeordnete Rolle.
Giftige Doppelgänger
Da Giersch zu den Doldenblütlern gehört, ist besondere Sorgfalt bei der Bestimmung erforderlich, denn in dieser Pflanzenfamilie gibt es hochgiftige Arten.
Wichtige Unterscheidungsmerkmale von Giersch:
- Dreigeteilte Blätter, jedes Teilblatt wiederum gezähnt
- Blattstiel dreikantig
- Charakteristischer Geruch beim Zerreiben, erinnert an Petersilie oder Karotte
- Weiße Doldenblüten
Gefährliche Doppelgänger:
Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
Sehr giftig. Unterscheidbar durch rötlich gefleckte, hohle Stängel und unangenehmen Geruch. Keine dreiteiligen Blätter wie beim Giersch.
Hundspetersilie (Aethusa cynapium)
Giftig. Feiner zerteilte Blätter, unangenehmer Geruch, typische nach unten gerichtete Hüllblätter unter der Dolde.
Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)
Verursacht schwere Hautreaktionen durch phototoxische Substanzen. Deutlich größer, massive Blätter und Stängel.
Wasserschierling (Cicuta virosa)
Sehr giftig. Wächst an Gewässern, andere Blattstruktur und dicke Wurzelknolle.
Im Zweifel gilt: Nicht ernten. Eine sichere Pflanzenkenntnis ist Voraussetzung.
Heilwirkung von Giersch
Traditionell wurde Giersch bei Gicht, rheumatischen Beschwerden und entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Die Volksheilkunde schreibt ihm folgende Wirkungen zu:
- Entzündungshemmend
- Harntreibend
- Entgiftend
- Stoffwechselanregend
- Mineralstoffreich
Giersch enthält unter anderem Vitamin C, Kalium, Eisen sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Die harntreibende Wirkung unterstützte historisch die Anwendung bei Gicht, indem die Harnsäureausscheidung gefördert werden sollte.
In der Erfahrungsheilkunde wird Giersch äußerlich bei Gelenkbeschwerden als Auflage verwendet. Wissenschaftliche Studien zur klinischen Wirksamkeit sind jedoch begrenzt. Die traditionelle Nutzung ist gut dokumentiert, moderne evidenzbasierte Studienlage ist hingegen überschaubar.
Heilkräuterrezepte mit Giersch
1. Giersch-Wickel bei Gelenkbeschwerden
Rezept:
2 Handvoll frische Gierschblätter, sauberes Baumwolltuch
Zubereitung:
Blätter waschen, grob zerkleinern und in einem Mörser zerstoßen, bis Saft austritt. Die Masse leicht anwärmen, jedoch nicht kochen. Auf ein Tuch streichen.
Anwendung:
Auf schmerzende Gelenke legen, mit trockenem Tuch fixieren und 20 bis 30 Minuten einwirken lassen. Einmal täglich bei Bedarf.
2. Giersch-Tinktur
Rezept:
Frische Gierschblätter, hochprozentiger Alkohol (mindestens 40 Prozent), Schraubglas
Zubereitung:
Blätter klein schneiden, locker in ein Glas füllen und mit Alkohol vollständig bedecken. Vier Wochen dunkel lagern, täglich leicht schütteln. Danach abseihen und in dunkle Flasche füllen.
Anwendung:
Äußerlich zur Einreibung beanspruchter Gelenke oder Muskeln. Zwei- bis dreimal täglich dünn auftragen.
3. Giersch-Ölauszug
Rezept:
1 Handvoll frische Gierschblätter, 250 ml kaltgepresstes Oliven- oder Mandelöl
Zubereitung:
Blätter leicht antrocknen lassen, grob zerkleinern und in ein Glas geben. Mit Öl übergießen, sodass alles bedeckt ist. Drei Wochen warm, aber nicht sonnig ziehen lassen. Abseihen.
Anwendung:
Zur Massage bei Verspannungen oder zur Hautpflege bei trockener, beanspruchter Haut.
4. Giersch-Salbe
Rezept:
200 ml Giersch-Ölauszug, 20 g Bienenwachs
Zubereitung:
Öl im Wasserbad erwärmen, Bienenwachs einrühren, bis es geschmolzen ist. In saubere Tiegel füllen und abkühlen lassen.
Anwendung:
Bei rauer Haut, leichten Hautirritationen oder zur unterstützenden Pflege bei Gelenkbeschwerden dünn auftragen.
5. Frischer Giersch-Presssaft
Rezept:
1 Handvoll frische Gierschblätter, etwas Wasser
Zubereitung:
Blätter waschen, im Mixer mit wenig Wasser pürieren. Durch ein Tuch oder feines Sieb pressen.
Anwendung:
1 Esslöffel täglich kurweise über zwei Wochen zur Unterstützung des Stoffwechsels im Frühjahr.
Giersch in der Küche
6. Giersch-Pesto
Rezept:
2 Handvoll Gierschblätter, 50 g Nüsse (Walnüsse oder Mandeln), 1 Knoblauchzehe, 50 g Hartkäse, 100 ml Olivenöl, Salz
Zubereitung:
Alle Zutaten im Mixer fein pürieren. Konsistenz mit Öl anpassen.
Anwendung:
Zu Pasta, als Brotaufstrich oder zum Verfeinern von Ofengemüse.
7. Giersch-Quiche
Rezept:
1 Mürbteigboden, 2 Handvoll Giersch, 3 Eier, 200 ml Rahm, Salz, Muskat
Zubereitung:
Giersch kurz in der Pfanne zusammenfallen lassen. Eier mit Rahm verquirlen, würzen, Giersch untermengen. In den Teig füllen und bei 180 Grad etwa 35 Minuten backen.
Anwendung:
Als Hauptgericht oder Beilage, warm oder kalt geeignet.
8. Wildkräuter-Butter mit Giersch
Rezept:
100 g weiche Butter, 2 Esslöffel fein gehackter Giersch, Prise Salz
Zubereitung:
Giersch sehr fein hacken und mit Butter und Salz vermengen. Kühl stellen.
Anwendung:
Auf frischem Brot, zu Ofenkartoffeln oder gegrilltem Gemüse.
9. Giersch-Spinat
Rezept:
3 Handvoll junge Gierschblätter, 1 kleine Zwiebel, 1 Esslöffel Butter, Salz, Muskat
Zubereitung:
Zwiebel fein würfeln und in Butter anschwitzen. Giersch zugeben und kurz dünsten, bis er zusammenfällt. Würzen.
Anwendung:
Als Beilage zu Kartoffeln, Eierspeisen oder Getreidegerichten.
10. Grüner Giersch-Smoothie
Rezept:
1 Handvoll Giersch, 1 Apfel, 1 Banane, 200 ml Wasser
Zubereitung:
Alle Zutaten im Mixer fein pürieren.
Anwendung:
Als vitalisierender Start in den Tag oder als Zwischenmahlzeit im Frühjahr.
Abschließend
Und, habt ihr Lust auf mehr bekommen? Hier auf diesem Blog posten wir laufend Inhalte über Kräuterkunde, Hausmittel, Gesunde Rezepte, Brauchtum und alles rund um Heilkräuter. Bitte beachtet, dass es Pflanzen gibt, die in manchen Regionen unter Naturschutz stehen und daher nicht gesammelt werden dürfen. Falls ihr einen ersten Überblick über wichtige Basisrezepte finden wollt, könnt ihr dies im Blogbeitrag Grundrezepte für die Kräuterheilkunde nachlesen.
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