Heilkräuter im April sammeln
Einleitung
Der April ist für viele Kräuterfreundinnen und Kräuterfreunde einer der schönsten Sammelmonate des Jahres. Die Natur steht nun nicht mehr nur am Übergang vom Winter zum Frühling, sondern ist bereits mitten in ihrer Aufbruchskraft. Wiesen werden dichter, Waldränder grüner, Hecken treiben aus, und auf vielen naturbelassenen Flächen erscheinen nun jene Pflanzen, die in der traditionellen Hausmittelkunde seit langem geschätzt werden. Gerade jetzt sind viele Blätter noch jung, zart und aromatisch. Das macht den April nicht nur für die Küche, sondern auch für die häusliche Kräuterverarbeitung besonders interessant.
Anders als im März, wo oft die ersten zögerlichen Triebe im Mittelpunkt stehen, kann man im April schon aus einer größeren Fülle auswählen. Neben klassischen Frühlingskräutern wie Brennnessel, Löwenzahn oder Gänseblümchen lassen sich nun vielerorts auch Bärlauch, Gundermann, Vogelmiere, Spitzwegerich, Schafgarbe oder junge Birkenblätter sammeln. Viele dieser Pflanzen werden in Europa traditionell als Kräuterdrogen oder Hausmittel verwendet.
Kräuter, die man im April sammeln kann
Bärlauch
Bärlauch gehört zu den bekanntesten Frühlingspflanzen. Er wächst bevorzugt in feuchten, schattigen Laubwäldern und bildet dort oft größere Bestände. Gesammelt werden vor allem die frischen Blätter. Sie schmecken würzig und eignen sich besonders für frische Zubereitungen. Entscheidend ist die sichere Bestimmung, da es gefährliche Doppelgänger gibt. Maiglöckchen und Herbstzeitlose können zu gefährlichen Verwechslungen führen.
Brennnessel
Die junge Brennnessel ist ein klassisches Frühjahrskraut. Sie wächst an nährstoffreichen Standorten, an Wegrändern, Zäunen, Hecken und in Gärten. In der europäischen Phytotherapie werden Brennnesselblätter traditionell unter anderem im Zusammenhang mit der Durchspülung der Harnwege verwendet und im Bereich leichter Gelenkbeschwerden. Für die Küche und Hausmittelpraxis sind im April die jungen Triebspitzen besonders wertvoll.
Löwenzahn
Löwenzahn ist im April fast überall zu finden. Junge Blätter, Blütenknospen und später auch Blüten lassen sich vielseitig verwenden. Die Löwenzahnwurzel mit Kraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel trägt zur Linderung leichter Verdauungsbeschwerden und zur Erhöhung der Harnmenge an. In der Hausmitteltradition wird Löwenzahn vor allem als bitteres Frühlingskraut geschätzt.
Vogelmiere
Vogelmiere ist ein zartes, mildes Wildkraut, das häufig in Beeten, Gärten und an lockeren, nährstoffreichen Stellen wächst. Im April bildet sie oft dichte grüne Polster. Sie eignet sich besonders gut für frische Zubereitungen, weil sie mild schmeckt und rasch verarbeitet werden kann. Die Vogelmiere, botanisch Stellaria media, wird in der Volksheilkunde traditionell vor allem äußerlich bei gereizter, juckender oder beanspruchter Haut sowie innerlich als mildes Frühlingskraut verwendet.
Gundermann
Gundermann wächst gerne an halbschattigen bis feuchten Standorten, an Hecken, Wiesenrändern und in naturnahen Gärten. Sein Geschmack ist kräftig und würzig. Gerade deshalb sollte er sparsam dosiert werden. In kleinen Mengen bringt er charaktervolle Noten in Kräuterzubereitungen. Der Gundermann (Glechoma hederacea) wird in der traditionellen Kräuterkunde vor allem bei Atemwegsbeschwerden, zur Schleimlösung sowie äußerlich bei kleinen Wunden und Hautproblemen verwendet. Wissenschaftlich gibt es Hinweise auf entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften.
Gänseblümchen
Gänseblümchen gehören zu den ersten Pflanzen, die viele Menschen schon als Kinder bewusst wahrgenommen haben. Im April stehen sie oft in großer Zahl auf Wiesen und in Gärten. Verwendet werden vor allem die Blüten, manchmal auch junge Blätter. In der Volksheilkunde gelten sie als sanfte Frühlingspflanze für Küche und Hausmittel. Darüber hinaus hilft sie im Kampf gegen Akne.
Spitzwegerich
Spitzwegerich findet man auf Wegen, Wiesen und offenen Flächen. Die schmalen, lanzettlichen Blätter können jung gesammelt werden. Traditionell ist Spitzwegerich eng mit Anwendungen rund um Mund, Rachen und Haut verbunden. Er ist ein Heilmittel gegen Husten und als tolle Mittel gegen Insektenstiche. Er wirkt auch gegen Bronchialverschleimungen, stärkt die Lunge, gegen Bronchitis, gegen Magen-Darm Beschwerden, wirkt blutreinigend und hilft Menschen, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Darüber hinaus hat er auch noch eine heilende Wirkung bei Zahnfleischentzündungen und bei Entzündungen im Mund und Rachenraum. Für den April sind die jungen, sauberen Blätter besonders geeignet.
Schafgarbe
Die Schafgarbe treibt im Frühling feine junge Blätter, oft schon bevor die typischen Blüten erscheinen. Im April werden daher vor allem die frühen Blatttriebe gesammelt. Sie ist ein altes Frauen- und Bitterkraut der europäischen Kräutertradition. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) wird traditionell bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, bei vorübergehendem Appetitverlust, bei kleinen oberflächlichen Wunden sowie bei leichten krampfartigen Menstruationsbeschwerden verwendet.
Birke
Junge Birkenblätter gehören ebenfalls zu den klassischen Frühjahrssammlungen. Birkenblätter dienen traditionell angewendet zur Erhöhung der Harnmenge im Rahmen einer Durchspülung. Für die Hausmittelküche sind im April vor allem die frischen, noch zarten Blätter interessant, allerdings nur in kleinen Mengen wegen ihres ausgeprägten Aromas.
Buchtipp
Anwendung
Weitere Rezepte könnt ihr auch in meinem Märzbeitrag finden.
1. Spitzwegerich-Kaltmazerat zum Gurgeln
Zutaten:
1,4 g Spitzwegerichblätter, 150 ml kaltes Wasser
Rezept:
Die Blätter in kaltem Wasser 30 bis 60 Minuten ziehen lassen, danach abseihen.
Anwendung:
Mehrmals täglich gurgeln bei gereiztem Hals und rauem Rachen. Spitzwegerich ist traditionell für Reizungen in Mund und Rachen sowie bei trockenem Husten beschrieben.
2. Gundemann-Tinktur gegen Atemwegsbeschwerden
Zutaten:
Eine Gundermanntinktur wird aus den Blättern hergestellt.
Rezept:
Dafür ein Glas mit Gundermann füllen, mit 70 bis 90 prozentigem Alkohol oder alternativ Apfelessig bedecken, verschließen und 8 Tage bis 6 Wochen warm und sonnig ziehen lassen.
Anwendung:
Danach abfiltern, in Dunkelglasfläschchen füllen, beschriften und dreimal täglich etwa 20 bis 40 Tropfen einnehmen.
3. Spitzwegerich-Umschlag
Zutaten:
1,4 g Spitzwegerichblätter, 150 ml kaltes Wasser, saubere Kompresse
Rezept:
Ein Kaltmazerat herstellen, eine Kompresse darin tränken.
Anwendung:
Auf leicht gereizte Hautstellen legen und etwa 10 bis 15 Minuten einwirken lassen. Die traditionelle äußerliche Anwendung von Spitzwegerich ist auch für leichte Hautentzündungen beschrieben.
4. Frischer Spitzwegerich-Quetschumschlag
Zutaten:
Frische Spitzwegerichblätter
Rezept:
Die Blätter leicht anquetschen, bis Pflanzensaft austritt.
Anwendung:
Direkt auf kleine, oberflächliche Hautreizungen legen und kurz einwirken lassen.
5. Spitzwegerich-Honig
Zutaten:
1 Handvoll Spitzwegerichblätter, 3 bis 4 EL Honig
Rezept:
Die Blätter sehr fein hacken und mit Honig vermischen. Einige Stunden ziehen lassen.
Anwendung:
1 TL langsam im Mund zergehen lassen bei trockenem Halsgefühl und Husten.
6. Löwenzahn-Presssaft
Zutaten:
Frische Löwenzahnblätter und etwas Wurzel, wenig Wasser
Rezept:
Gründlich waschen, fein mixen und durch ein Tuch pressen.
Anwendung:
10 ml mit etwas Wasser verdünnt einnehmen. Löwenzahn ist traditionell bei leichten Verdauungsbeschwerden und zur Erhöhung der Harnmenge beschrieben.
7. Löwenzahn-Bittersaft vor dem Essen
Zutaten:
10 ml Löwenzahn-Presssaft, 30 bis 50 ml Wasser
Rezept:
Frisch verrühren.
Anwendung:
Vor dem Essen einnehmen, wenn Bitterstoffe zur Verdauungsanregung gewünscht sind.
8. Brennnessel-Presssaft
Zutaten:
Junge Brennnesselblätter, wenig Wasser
Rezept:
Waschen, mixen und durch ein Tuch ausdrücken.
Anwendung:
In kleiner Menge verdünnt trinken. Brennnesselblätter werden traditionell zur Durchspülung der Harnwege und bei leichten Gelenkbeschwerden verwendet.
9. Brennnessel-Wasser-Mischung
Zutaten:
1 Teil Brennnessel-Presssaft, 4 Teile Wasser
Rezept:
Frisch vermischen.
Anwendung:
Über den Tag verteilt in kleinen Mengen trinken und insgesamt auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
10. Birkenblatt-Frischsaft
Zutaten:
Junge Birkenblätter, wenig Wasser
Rezept:
Blätter reinigen, mixen und filtrieren.
Anwendung:
Verdünnt in kleinen Mengen einnehmen. Birkenblätter sind traditionell ebenfalls zur Durchspülung der Harnwege beschrieben.
5 Rezepte für die Küche
11. Bärlauch-Frischkäse
Zutaten:
1 Handvoll Bärlauch, 200 g Frischkäse, etwas Salz
Rezept:
Bärlauch fein hacken und mit dem Frischkäse verrühren.
Anwendung:
Als Brotaufstrich oder zu Erdäpfeln.
12. Brennnessel-Kräuterbutter
Zutaten:
1 Handvoll junge Brennnesselspitzen, 100 g Butter, etwas Salz
Rezept:
Die Brennnessel kurz blanchieren, fein hacken und mit weicher Butter verrühren.
Anwendung:
Auf Brot, zu Gemüse oder Ofenkartoffeln.
13. Löwenzahn-Knospen in Salz
Zutaten:
1 Handvoll geschlossene Löwenzahnknospen, Salz
Rezept:
Die Knospen reinigen, mit Salz vermengen und kurz ziehen lassen.
Anwendung:
Als würzige Beigabe zu kalten Speisen.
14. Vogelmiere-Kräuterquark
Zutaten:
1 Handvoll Vogelmiere, 250 g Quark, etwas Salz
Rezept:
Die Vogelmiere fein schneiden und mit dem Quark verrühren.
Anwendung:
Als Brotaufstrich oder zu gekochten Erdäpfeln.
15. Gänseblümchen-Butter
Zutaten:
Eine kleine Handvoll Gänseblümchenblüten, 100 g Butter
Rezept:
Die Blüten vorsichtig säubern und in die weiche Butter einrühren.
Anwendung:
Als dekorative Frühlingsbutter für Brot oder Gebäck.
Abschließend
Und, habt ihr Lust auf mehr bekommen? Hier auf diesem Blog posten wir laufend Inhalte über Kräuterkunde, Hausmittel, Gesunde Rezepte, Brauchtum und alles rund um Heilkräuter. Bitte beachtet, dass es Pflanzen gibt, die in manchen Regionen unter Naturschutz stehen und daher nicht gesammelt werden dürfen. Falls ihr einen ersten Überblick über wichtige Basisrezepte finden wollt, könnt ihr dies im Blogbeitrag Grundrezepte für die Kräuterheilkunde nachlesen.
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