Wacholder

Wenn draußen der Wind durch die kahlen Äste zieht und die Tage kürzer werden, bringt Wacholder seinen unverwechselbaren Waldduft in die Kräuterhexenküche. Die dunkelblauen Beeren des Gemeinen Wacholders (Juniperus communis) duften würzig, harzig und ein wenig pfeffrig.

Dennoch ist der Wacholder eine Heilpflanze, die bei Magen-Darm-Beschwerden, bei Atemwegserkrankungen, Frauenbeschwerden und als harntreibendes Mittel angewendet wird. Äußerlich wird es als Einreibung zur Behandlung von Muskel- und Gelenkschmerzen verwendet. Darüber hinaus ist er harntreibend und sollte nur mit gesunden Nieren verwendet werden.

Aus der TCM

Wacholder hat eine wärmende und austrocknende Wirkung und hilft bei chronischer Verschleimung der Lunge. Das Kauen von 1-2 Beeren schützt vor Erkältungen und Grippe. (Traversier, 2014, S241).

Für alle Rezepte gilt: Verwendet ausschließlich gekaufte Wacholderbeeren von Juniperus communis in Lebensmittelqualität. Andere Wacholderarten können giftig sein.

1. Wacholder-Honig – würziger Kräuterschatz

Traditionelle Anwendung

Wacholderbeeren wurden in der Volksheilkunde bei Völlegefühl und Blähungen nach üppigen Mahlzeiten verwendet. Der aromatische Honig greift diese Kräutertradition auf.

Zutaten

  • 100 g flüssiger Honig
  • 3 getrocknete Wacholderbeeren
  • 1 kleines Schraubglas

Rezept

  1. Die Wacholderbeeren leicht andrücken.
  2. Zusammen mit dem Honig in ein sauberes Glas geben.
  3. Gut verrühren und verschließen.
  4. Im Kühlschrank 24 Stunden ziehen lassen.
  5. Die Wacholderbeeren vollständig entfernen.

Anwendung

Einen Teelöffel in warmes Wasser oder ein winterliches Apfelgetränk einrühren. Auch zum Verfeinern von Speisen geeignet.

Haltbarkeit

Im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von 48 Stunden verbrauchen.

Buchtipp

Buch

 

2. Wacholder-Apfel-Oxymel

Traditionelle Anwendung

Wacholder gehört zu den überlieferten Verdauungskräutern. Besonders nach schweren Mahlzeiten wurde die würzige Pflanze geschätzt. Dieses süß-säuerliche Oxymel verbindet die alte Kräutertradition mit einer einfachen Zubereitung.

Zutaten

  • 100 g Honig
  • 50 ml Apfelessig mit 5 % Säure
  • 3 getrocknete Wacholderbeeren
  • 1 kleines Schraubglas

Rezept

  1. Wacholderbeeren leicht zerdrücken.
  2. Honig und Apfelessig gründlich verrühren.
  3. Die Wacholderbeeren hinzufügen.
  4. Das Glas verschließen und 24 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
  5. Die Beeren sorgfältig abseihen.

Anwendung

Ein bis zwei Teelöffel in etwa 200 ml Wasser verdünnen. Das Oxymel eignet sich auch als würzige Zutat für Salatdressings.

Haltbarkeit

Gekühlt lagern und innerhalb von 48 Stunden verbrauchen.

3. Wärmendes Wacholder-Fußbad

Traditionelle Anwendung

Warme Kräuterfußbäder gehören zu den klassischen Hausmitteln bei kalten Füßen und nach langen Tagen im Freien. Wacholder wurde wegen seines kräftigen Waldaromas gerne für solche Wohlfühlanwendungen verwendet.

Zutaten

  • 10 getrocknete Wacholderbeeren
  • 500 ml Wasser
  • 3 Liter angenehm warmes Wasser
  • 1 Fußbadewanne

Rezept

  1. Wacholderbeeren leicht andrücken.
  2. Mit 500 ml Wasser aufkochen.
  3. Zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen.
  4. Den Sud durch ein feines Sieb abseihen.
  5. Zusammen mit dem warmen Wasser in die Fußbadewanne geben.

Anwendung

Die Füße etwa zehn Minuten baden. Anschließend gut abtrocknen und warme Socken anziehen. Das Wasser sollte angenehm warm und nicht heiß sein.

Haltbarkeit

Immer frisch zubereiten und nach dem Fußbad entsorgen.

4. Wacholder-Massageöl für beanspruchte Muskeln

Traditionelle Anwendung

Wacholder wurde in der Volksheilkunde für Einreibungen bei müden und beanspruchten Muskeln verwendet. Besonders nach körperlicher Arbeit waren wärmende Massagen ein beliebtes Hausmittel.

Zutaten

  • 50 ml Mandelöl in kosmetischer Qualität
  • 5 getrocknete Wacholderbeeren
  • 1 sauberes, vollständig trockenes Schraubglas

Rezept

  1. Die Wacholderbeeren leicht zerdrücken.
  2. In das Glas geben und mit Mandelöl übergießen.
  3. Verschließen und sieben Tage dunkel bei Raumtemperatur ziehen lassen.
  4. Anschließend sorgfältig durch einen feinen Filter abseihen.
  5. In eine saubere, trockene Flasche füllen.

Anwendung

Einige Tropfen Öl zwischen den Händen verteilen und Arme oder Schultern sanft massieren. Nur auf intakter Haut verwenden und vorher an einer kleinen Stelle testen.

Haltbarkeit

Kühl und dunkel aufbewahren und innerhalb von sieben Tagen nach dem Filtern verbrauchen.

5. Wacholder-Badesalz mit Rosmarin

Traditionelle Anwendung

Aromatische Kräuterbäder wurden traditionell zum Aufwärmen, bei Müdigkeit und nach anstrengenden Tagen genutzt. Wacholder und Rosmarin bilden eine wunderbar würzige Kombination für die kalte Jahreszeit.

Zutaten

  • 200 g grobes Badesalz
  • 5 getrocknete Wacholderbeeren
  • 5 g getrockneter Rosmarin
  • 1 trockenes Schraubglas
  • 1 Baumwollsäckchen

Rezept

  1. Die Wacholderbeeren leicht zerdrücken.
  2. Mit dem Rosmarin und dem Badesalz vermischen.
  3. Die Mischung in ein trockenes Glas füllen.
  4. Vor dem Baden zwei Esslöffel in ein Baumwollsäckchen geben.

Anwendung

Das verschlossene Säckchen ins angenehm warme Badewasser legen. Nach dem Baden herausnehmen. So gelangen keine Pflanzenteile in den Abfluss.

Haltbarkeit

Trocken und gut verschlossen innerhalb von vier Wochen verbrauchen.

6. Wacholder-Kräuterkissen für die Winterzeit

Traditionelle Anwendung

Duftende Kräutersäckchen haben in der Volkskunde eine lange Tradition. Wacholder, Lavendel und Rosmarin wurden zur Beduftung von Wohnräumen und Wäscheschränken verwendet. Das Kräuterkissen greift diesen alten Brauch auf.

Zutaten

  • 15 g getrocknete Wacholderbeeren
  • 10 g getrockneter Lavendel
  • 5 g getrockneter Rosmarin
  • 1 kleines Leinensäckchen

Rezept

  1. Wacholderbeeren leicht andrücken.
  2. Mit Lavendel und Rosmarin vermischen.
  3. Die Mischung in das Leinensäckchen füllen.
  4. Das Säckchen fest verschließen.

Anwendung

Das Kräuterkissen auf ein Regal, in den Kleiderschrank oder neben den Lieblingsleseplatz legen. Gelegentlich leicht bewegen, damit sich der Duft entfalten kann.

Haltbarkeit

Trocken gelagert etwa vier Wochen als Duftkissen verwenden. Bei Feuchtigkeit oder Schimmel entsorgen.

7. Wacholder-Kräutersalz für die Winterküche

Traditionelle Anwendung

Wacholder wurde früher besonders zu deftigen und fettreichen Speisen gegeben. In der Volksheilkunde galt er als verdauungsförderndes Gewürz. Dieses Kräutersalz knüpft an die alte Verwendung an.

Zutaten

  • 100 g grobes Meersalz
  • 5 getrocknete Wacholderbeeren
  • 1 TL getrockneter Thymian
  • 1 TL getrockneter Rosmarin
  • 1 trockenes Gewürzglas

Rezept

  1. Die Wacholderbeeren im Mörser fein zerstoßen.
  2. Thymian und Rosmarin dazugeben.
  3. Mit dem Meersalz gründlich vermischen.
  4. In ein sauberes, trockenes Gewürzglas füllen.

Anwendung

Sparsam zum Würzen von Ofenkartoffeln, Kürbis, Pilzgerichten oder herzhaftem Wintergemüse verwenden.

Haltbarkeit

Trocken und dunkel gelagert innerhalb von drei Monaten verbrauchen.

8. Winterlicher Wacholder-Apfelsirup

Traditionelle Anwendung

Wacholderbeeren wurden traditionell bei Völlegefühl und Blähungen geschätzt. Dieser süß-würzige Apfelsirup verbindet das überlieferte Kräuterwissen mit einem aromatischen Winterrezept.

Zutaten

  • 250 ml naturtrüber Apfelsaft
  • 100 g Zucker
  • 3 getrocknete Wacholderbeeren
  • 1 kleine Zimtstange
  • 1 EL Zitronensaft

Rezept

  1. Die Wacholderbeeren leicht andrücken.
  2. Zusammen mit Apfelsaft, Zucker und Zimt in einen Topf geben.
  3. Unter Rühren aufkochen.
  4. Fünf Minuten sanft köcheln lassen.
  5. Zitronensaft hinzufügen.
  6. Wacholderbeeren und Zimtstange vollständig entfernen.
  7. In ein frisch gereinigtes Glas füllen und sofort kühlen.

Anwendung

Ein bis zwei Teelöffel in eine Tasse warmes Wasser einrühren. Auch zum Verfeinern von Apfelkompott oder winterlichen Desserts geeignet.

Haltbarkeit

Im Kühlschrank bei höchstens 4 °C aufbewahren und innerhalb von 24 Stunden verbrauchen.

9. Warme Wacholder-Kräuterkompresse

Traditionelle Anwendung

Warme Kräuterauflagen und Umschläge gehören zu den überlieferten Hausmitteln bei beanspruchten Körperpartien. Wacholder wurde auch äußerlich in traditionellen Kräuteranwendungen genutzt.

Zutaten

  • 5 getrocknete Wacholderbeeren
  • 500 ml Wasser
  • 1 sauberes Baumwolltuch

Rezept

  1. Wacholderbeeren leicht andrücken.
  2. Mit Wasser aufkochen.
  3. Zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen.
  4. Sorgfältig abseihen.
  5. Den Sud auf eine angenehm lauwarme Temperatur abkühlen lassen.

Anwendung

Das Baumwolltuch in den Sud tauchen, leicht ausdrücken und für etwa fünf Minuten auf die intakte Haut der Unterarme legen. Die Kompresse darf nicht heiß sein. Bei Hautreizungen sofort entfernen.

Haltbarkeit

Frisch zubereiten und nach der Anwendung entsorgen.

10. Wacholder-Orangen-Duftanhänger aus Bienenwachs

Traditionelle Anwendung

Wacholderzweige und -beeren wurden früher zur Beduftung von Häusern und Stuben verwendet. Auch in traditionellen Räucherbräuchen spielte Wacholder eine wichtige Rolle. Diese duftenden Wachsanhänger greifen den alten Brauch auf – ganz ohne Räuchern.

Zutaten

  • 90 g Bienenwachs
  • 6 getrocknete Wacholderbeeren
  • 7 Tropfen des ätherischen Wacholderöls
  • 3 kleine Stücke vollständig getrocknete Orangenschale
  • 3 kleine getrocknete Rosmarinzweige
  • 3 Baumwollbänder
  • 1 Silikonform für drei Anhänger

Rezept

  1. Das Bienenwachs vorsichtig im Wasserbad schmelzen.
  2. Das flüssige Wachs auf drei Silikonformen verteilen und das ätherische Öl einrühren.
  3. Sobald es leicht fest wird, Wacholderbeeren, Orangenschale und Rosmarin dekorativ auflegen.
  4. Die Pflanzenteile vorsichtig andrücken.
  5. Mit einem Holzstäbchen Löcher für die Aufhängung formen.
  6. Vollständig aushärten lassen.
  7. Aus den Formen lösen und die Baumwollbänder befestigen.

Anwendung

Als winterliche Duftdekoration an einem kühlen Platz aufhängen. Nicht anzünden und von Wärmequellen, Kindern und Haustieren fernhalten.

Haltbarkeit

Trocken und kühl aufbewahren. Bei Feuchtigkeit, Schimmel oder anderen Veränderungen der Pflanzenbestandteile entsorgen.

Was bei Wacholder zu beachten ist

Wacholder ist eine kräftige Gewürz- und traditionelle Heilpflanze, die sparsam verwendet werden sollte. Für innerliche Zubereitungen eignen sich ausschließlich eindeutig deklarierte Wacholderbeeren von Juniperus communis in Lebensmittelqualität.

Während Schwangerschaft und Stillzeit, bei Nierenerkrankungen sowie für Kinder und Jugendliche sind eigenständige medizinische Wacholderanwendungen nicht geeignet. Wer entwässernde Medikamente einnimmt oder seine Trinkmenge einschränken muss, sollte Wacholder nicht als Heilmittel verwenden.

Bei empfindlicher Haut können äußerliche Anwendungen Reizungen verursachen. Kräuteröle, Bäder und Kompressen deshalb zunächst vorsichtig ausprobieren und nur auf intakter Haut anwenden.

Traversier, R. 2014. Westliche Pflanzen und ihre Wirkungen in der TCM, Haug