Öle

Öle in der Kräuterheilkunde: Trägeröle, ätherische Öle und ölige Auszüge

Öle spielen in der Kräuterheilkunde gleich in mehrfacher Hinsicht eine zentrale Rolle: als Trägerstoff (fette Pflanzenöle), als Wirkstoffkonzentrat (ätherische Öle) und als klassische Zubereitungsform, bei der Kräuter in Öl ausgezogen werden (öliger Auszug, Mazerat). Dieser Beitrag zeigt, welche Öle typischerweise verwendet werden, welche Effekte wissenschaftlich beschrieben sind, wo die Grenzen liegen und wie du Öle sinnvoll und sicher in der Hausapotheke einsetzen kannst.

1. Welche Öle werden in der Kräuterheilkunde verwendet?

1.1 Ätherische Öle (flüchtig, stark konzentriert)
Ätherische Öle sind komplexe Gemische flüchtiger Pflanzenstoffe. In der Praxis werden sie vor allem über Duft (Inhalation, Raumbeduftung) oder verdünnt auf der Haut eingesetzt.

1.2 Fette Pflanzenöle (Trägeröle, Basisöle)
Fette Pflanzenöle dienen als Basis für Einreibungen, Massageöle, Salben und Roll-ons. In der Aromatherapie werden ätherische Öle für die Hautanwendung typischerweise in einem Trägeröl verdünnt. Typische Trägeröle in der Praxis sind beispielsweise Mandel-, Traubenkern- oder Jojobaöl.  In der Praxis entscheidest du je nach Hauttyp, Stabilität und Geruch: Olivenöl ist robust und kräftig, Sonnenblumenöl mild, Mandel- und Jojobaöl sind beliebt für kosmetische Mischungen.

1.3 Ölige Auszüge (Mazerate) aus Heilpflanzen
Ein klassischer Ansatz der Kräuterheilkunde ist der ölige Auszug: Pflanzenmaterial wird in einem Trägeröl über längere Zeit ausgezogen. Ein bekanntes Beispiel ist Johanniskrautöl. PharmaWiki definiert es wie folgt: „Johannisöl ist ein öliger Extrakt aus frischem Johanniskraut, der in der Regel mit Sonnenblumen- oder Olivenöl hergestellt wird.” [1] Gleichzeitig grenzt PharmaWiki es ab: „Im Gegensatz zu anderen Johanniskrautextrakten ist Johanniskrautöl nicht für eine innerliche Verabreichung vorgesehen.”[1]

2. Heilwirkung

Grundsätzlich unterscheidet sich die Wirkung je nach Pflanze. Hier findet ihr dazu einen kleinen Auszug.

2.1. Ätherische Öle

Wichtig bei der Anwendung von ätherischen Ölen ist, dass es unterschiedliche Dosierungsebenen gibt. Säuglinge und Babys sollten keine ätherische Öle bekommen. Bei der Dosierung unterscheidet man außerdem die Dosierung zwischen Erwachsenen und Kinder und Jugendliche. Kinder und Jugendliche bekommen in der Regel immer um die Hälfte weniger ätherische Öle verabreicht.

1. Lavendelöl
beruhigend, krampflösend, stimmungsbezogene Effekte, antiseptisch.
2. Teebaumöl
antiseptisch, antimikrobiell, entzündungshemmend; gegen Bakterien, Pilze, einige Viren.
3. Eukalyptusöl
auswurffördernd, hustenreizlindernd, antiseptisch; typische Nutzung bei Erkältungssymptomen und auch äußerlich bei Muskelthemen.
4. Pfefferminzöl
krampflösend (insbesondere im Magen-Darm-Bereich, je nach Darreichungsform); außerdem kühlend und schmerzlindernd über Menthol.
5. Thymianöl (bzw. Thymian als Arzneipflanze mit ätherischem Öl)
vor allem im Kontext von Erkältungssymptomen (Husten, Schleimbildung, Reizhusten u.a.).
6. Kamillenöl (bzw. Kamille mit ätherischem Öl)
entzündungshemmend, krampflösend, antimikrobiell, wundheilungsfördernd
7. Nelkenöl (Gewürznelkenöl)
antimikrobiell, antiseptisch, entzündungshemmend; zudem lokal betäubend (klassisch im Mundbereich beschrieben).
8. Rosmarinöl (Rosmarin, ätherisches Öl in den Blättern)
wird u.a. bei Atemwegsthemen, Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Kreislaufthemen eingesetzt
9. Orangenöl (Süßorange)
antimikrobiell, antioxidativ, entzündungshemmend
10. Citronellöl
Insektenabwehr (Repellent), also eher Schutzwirkung als „Heilwirkung“ im engeren Sinn.

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2.2 Fette Pflanzenöle (Trägeröle, Basisöle)

Fette Pflanzenöle (Trägeröle, Basisöle) werden in der Kräuterheilkunde vor allem äußerlich eingesetzt: als pflegendes Öl, als Grundlage für Salben und als Lösungsmittel für lipophile Pflanzeninhaltsstoffe (zum Beispiel für ätherische Öle oder für Ölauszüge aus Kräutern). Ihre „Heilwirkung“ ist dabei meist eine Kombination aus Barrierepflege, Rückfettung und Unterstützung der Hautregeneration.

Praktisch bedeutet das: Fette Pflanzenöle wirken wie ein pflegender Film auf der Haut, machen raue Stellen geschmeidiger und unterstützen die Haut dabei, sich nach Trockenheit oder Reizung zu stabilisieren. In der Dermatologie wird die Barrierepflege mit „Vehikel-Substanzen“ (also Grundlagen ohne Arzneiwirkstoff) als Kernprinzip beschrieben. Das passt sehr gut zu Trägerölen und ölreichen Grundlagen.

Die bekanntesten Öle sind: Mandelöl, Jojobaöl, Sonnenblumenöl, Olivenöl, Kokosöl

2.3 Ölige Auszüge (Mazerate) aus Heilpflanzen

Ölige Auszüge (Ölmazerate, Mazerate) sind Heilpflanzen-Zubereitungen, bei denen Pflanzenteile in einem fetten Pflanzenöl ausgezogen werden. Die „Heilwirkung“ ergibt sich dabei aus zwei Ebenen: erstens aus der hautpflegenden Wirkung des Basisöls und zweitens aus den fettlöslichen Pflanzeninhaltsstoffen, die in das Öl übergehen.

Das ist der zentrale Punkt: Ein Ölmazerat ist besonders geeignet, wenn man gezielt fettlösliche Bestandteile nutzen will (nicht primär wasserlösliche).

Pflanzenspezifische „Heilwirkung“: sie hängt vollständig von der Heilpflanze ab
Ein Ölmazerat ist kein einheitlicher Wirkstoff, sondern ein „Träger“ für die jeweils extrahierten Pflanzenstoffe. Deshalb sind die beschriebenen Wirkungen immer pflanzenabhängig. Ein Beispiel dazu:

Johanniskrautöl: Johannisöl ist ein Ölextrakt aus frischem Johanniskraut, der in der Regel mit Sonnenblumen- oder Olivenöl hergestellt wird. Dem rubinroten Öl werden antimikrobielle, entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Es wird traditionell in der Volksmedizin unter anderem bei leichten Verbrennungen und Wunden eingesetzt.

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3. Ölrezepte, die einem das Leben erleichtern

3.1 Ringelblumenöl für Haut und Wunden
Sammelzeit: Blüten bis in den September.
Frische oder getrocknete Ringelblumenblüten in ein Glas geben, mit Olivenöl übergießen. 3–4 Wochen ziehen lassen, abseihen.
Anwendung: Äußerlich für rissige Haut, kleine Wunden oder Hautirritationen.

3.2 Dampfinhalation mit ätherischem Öl Eukalyptus (nur für Erwachsene)
Heißes Wasser, aber nicht kochend, Zielbereich um ca. 60 °C. Auf 300 ml Wasser ca. 8 Tropfen Eukalyptusöl hinzufügen.
Anwendung: 5 bis 10 Minuten inhalieren. Hilf bei Erkältungen. Bei Atemwegsempfindlichkeit und bei Kindern nicht anwenden.

3.3 Thymian-Brustöl als Einreibung gegen Erkältungsprobleme (für Erwachsene)
50 ml Trägeröl
10 Tropfen ätherisches Thymianöl
Anwendung: Einreibung im Brust- und Rückenbereich.

3.4 Erkältungsbad mit Thymian (zum Emulgieren)
– 1 Esslöffel Sahne oder neutrales Duschgel als Emulgator
– 5 Tropfen Thymianöl
Anwendung: Ins Badewasser geben. Lindert Erkältungssymptome

3.5 Duft-Roll-on für die Winterzeit zum Durchatmen (für Erwachsene)
10 ml Roll-on-Flasche
Jojobaöl oder Mandelöl
3 Tropfen Thymian- oder Eukalyptusöl
Anwendung: Auf Schläfen, Hals oder Gelenke auftragen und tief durchatmen.

3.6 Duft-Roll-on für die Winterzeit gegen Kopfschmerzen (für Erwachsene)
10 ml Roll-on-Flasche
Jojobaöl oder Mandelöl
3 Tropfen Pfefferminzöl
Anwendung: Auf Schläfen, Hals oder Gelenke auftragen und tief durchatmen.

3.7 Hautschutzöl bei trockenen Stellen (ohne ätherische Öle)
30 ml Jojobaöl oder Mandelöl
Optional: 10 ml Ringelblumenöl
Anwendung: Trage es dünn auf die trockenen Hautstellen auf.

3.8 Warmes Fußbad als Kräuteröl-Ritual (ohne ätherische Öle, sanft)
Warmes Wasser
1 Teelöffel Olivenöl
Optional: ein Hauch Ringelblumenöl
Anwendung: 2–3 x pro Woche. Pflege und Ritualwirkung ohne starke Reizstoffe.

3.9 Lippenpflegeöl
10 ml Mandel- oder Jojobaöl
optional: 1 ml Ringelblumenöl
2 Tropfen ätherisches Rosenöl
Anwendung: Bei Bedarf tropfenweise auf die Lippen auftragen, besonders bei trockener Winterluft.

3.10 Lavendel-Massageöl zur Entspannung (duftbasiert)
50 ml Sonnenblumenöl
10 bis 25 Tropfen Lavendelöl (ca. 1 bis 2,5 %)
Zubereitung: Mischen und dunkel lagern.
Anwendung: Massage von Nacken oder Schultern.

3.11 Arnika-Öl (nur äußerlich, nicht auf offene Wunden)
Getrocknete Arnikablüten
Trägeröl (z. B. Sonnenblumen- oder Olivenöl)
Die Blüten vollständig mit dem Trägeröl bedecken und zwei bis drei Wochen ziehen lassen. Anschließend abseihen.
Anwendung: Einreibung bei Muskelbeanspruchung (nicht auf verletzte Haut).

[1] www.pharmawiki.ch

Abschließend

Und, habt ihr Lust auf mehr bekommen? Hier auf diesem Blog posten wir laufend Inhalte über Kräuterkunde, Hausmittel, Gesunde Rezepte, Brauchtum und alles rund um Heilkräuter. Bitte beachtet, dass es Pflanzen gibt, die in manchen Regionen unter Naturschutz stehen und daher nicht gesammelt werden dürfen. Falls ihr einen ersten Überblick über wichtige Basisrezepte finden wollt, könnt ihr dies im Blogbeitrag Grundrezepte für die Kräuterheilkunde nachlesen.

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